OVB-online am 06.04.2011

Wenn in der Weißgerbergerstraße die Sonnen aufgehen


Die koreanische Künstlerin Shinae Kim verwirrt mit ihren Gegenüberstellungen und wirft Fragen auf

Schlüsselerlebnis für die Künstlerin Shinae Kim war die Beobachtung eines Sonnenuntergangs mit Speigelung im Wasser. Welche der beiden Sonnen ist nun die echte oder wahre Sonne? Auf diese Erfahrung, vor diesem Hintergrund baut sie nun ihre Kunst auf.
Die junge Frau aus Korea hat in Seoul Malerei studiert und ist nun im vierten Jahr Studentin der Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste in München. In der Galerie raum02 in der Weißgerberstraße in Mühldorf präsentiert sie eine Art Laborsituation. In der scheinbaren Leere wird der Betrachter mit dreierlei Situationen konfrontiert.
Erstens: Von der der Fensterfront gegenüberliegenden Seite aus projiziert Shinae Kim ebenfalls etwas Fensterartiges. So entstehen zwei beleuchtete, trapezförmige Felder auf dem Boden, dem Sonnenlicht, das tagsunter durch die beiden Fenster eindringt, entgegengesetzt. Die Projektion ist eine Filmsequenz, durch die alle drei Minuten ein Schmetterling flügelt – beziehungsweise nur sein Schatten. Zwei Gegenwelten? Welches ist also nun die wahre Fensterfront?
Zweitens: Im rückwärtigen Raum hat die Koreanerin einen neuen Boden angelegt – aus Sand. Sie hängt eine Neonröhre 20 Zentimeter über den Boden, vergräbt eine zweite Röhre genau darunter und lässt sie so gerade herausleuchten. Zwei Welten? Es könnte ein auf dem Kopf gestellter Raum angedeutet sein und das Gegenstück dazu, von dessen spiegelbildlicher Antipode gerade noch die Deckenleuchte zu sehen ist.
Drittens: Zuletzt wird etwas Helles auf eine kugelförmige, mattierte Glühbirne projiziert. Die Glühbirne ist nicht unter Strom, sie dient nur als Projektionsfläche eines bewegten, flammenartigen Motivs. Der Betrachter erfährt, dass das Motiv der Projektion das Bild der leuchtenden Glühbirne darstellt – reflektiert über leichte Wellen auf schwarzgefärbtem Wasser.
Die verwirrenden Gegenüberstellungen sollen Fragen aufwerfen nach dem Wesen von Dunkelheit und Licht. Gibt vorallem nicht die Dunkelheit unserer Imagination besonders Raum? Vielleicht sollte man sich mal wieder ganz genau den Nachthimmel ansehen: Was wir nicht sehen können, ist Dunkelmaterie; schließlich gibt es etwa sechsmal mehr Sterne, als sich erkennen lassen. Ein Grund mehr, sich auf die Laborsituationen von Shinae Kim einzulassen.
Finissage ist am Sonntag, 24. April, von 14 bis 16 Uhr.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s